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Klimaanpassung

Landshut Isar
Grafik Klimaanpassungskonzept Landshut

Die Veränderungen durch den Klimawandel stellen Kommunen vor große Herausforderungen. Risiken für die Bewohner, die kommunale Infrastruktur oder das Stadtgrün werden durch hochsommerliche Extremtemperaturen, starke Niederschläge, Dürreperioden und Stürme steigen.

Für eine ganzheitlich nachhaltige Stadtentwicklung ist die Integration von Klimaanpassungsstrategien in sämtliche Planungen unbedingt notwendig.

2020 wurde beschlossen eine eigene integrierte Strategie zum Umgang mit den lokalen Folgen des Klimawandels und angemessene Instrumente zur Umsetzung zu entwickeln. Damit sollen die Lebensqualität, die Standortattraktivität und die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt Landshut langfristig gesichert werden.

Die Stadt Landshut ist mit ihrem ambitionierten Vorhaben vom Bayerischen Staatsministerium für Bauen, Wohnen und Verkehr als eine von acht Modellkommunen für das Modellvorhaben "Klimagerechter Städtebau" ausgewählt worden. 

Im Sommer 2021 wurden die Büros Geo-Net Umweltconsulting aus Hannover und MUST Städtebau aus Köln mit der Erstellung des Konzepts beauftragt.

Am Mittwoch, 18. Mai 2022, lud die Stadt Landshut alle Interessierten zu einer öffentlichen Auftaktveranstaltung zum Klimaanpassungskonzept in die Stadtsäle Bernlochner ein. Es wurden die geplanten Inhalte und Arbeitsschritte des Konzepts, sowie erste Erkenntnisse zum Klimawandeln in Landshut vorgestellt. Anschließend fand ein interaktiver Austausch zu Anregungen, Ideen und Wünschen für den weiteren Prozess statt. Die bei der Veranstaltung gezeigte Präsentation kann hier heruntergeladen werden:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Das Klimaanpassungskonzept

Seit September 2021 wird mit Fördermitteln des Landes und mit Unterstützung von zwei Fachbüros (GEO-NET Umweltconsulting und MUST Städtebau) ein Klimaanpassungskonzept für Landshut erarbeitet. Dieses Konzept verfolgt das Ziel, Strategien und Maßnahmen zur Anpassung an bereits beobachtete und zukünftig erwartete Klimaveränderungen in Landshut zu finden, um besser auf mögliche Folgen des Klimawandels vorbereitet zu sein und die Lebensqualität in der Stadt auch unter sich ändernden klimatischen Voraussetzungen zu erhalten.

Insbesonders soll das Klimaanpassungskonzept für Landshut aufzeigen, wie den erwarteten Klimaveränderungen künftig in der Stadtplanung und im Städtebau begegnet werden kann. Hierzu werden zunächst die Auswirkungen der Klimaveränderungen und die besonders im Stadtgebiet betroffenen Bereiche in Landshut identifiziert. Anschließend sollen, in Abstimmung mit vielen Akteurinnen und Akteuren der Landshuter Stadtgesellschaft, geeignete bauliche und freiraumplanerische Maßnahmen entwickelt werden, mit denen die Stadt sich langfristig an den Klimawandel anpassen kann.

Das Konzept wird voraussichtlich Anfang 2023 fertiggestellt.

Wie ändert sich das Klima in Landshut?

Der Klimawandel hat bereits in der Vergangenheit zu spürbaren Veränderungen der klimatischen Gegebenheiten in Landshut geführt. Die Jahresmittelwerte der Temperatur in Landshut zeigen seit Beginn der Aufzeichnungen Ende des 19. Jahrhunderts eine deutlich ansteigende Tendenz.

Aus Klimamodellen können Prognosen zum erwarteten Klimawandel bis zum Jahr 2100 abgeleitet werden. Anhand verschiedener Klimaszenarien wird die zukünftige Entwicklung des Klimas bewertet, die mit unterschiedlichen Unsicherheiten behaftet sind. Insgesamt wird es bis zum Jahr 2100 in jedem Fall zu einem weiteren Anstieg der mittleren Jahrestemperaturen im Vergleich zu früher kommen; im schlimmsten Fall um bis zu 4,2 °C.

Folgende Trends können in Landshut zukünftig beobachtet werden:

  • Temperaturzunahme und Hitze
    Die deutlichsten Änderungen zeigen einen fortsetzenden Trend steigender Jahresmitteltemperaturen. Somit wird es in Landshut kontinuierlich zu einer Erwärmung kommen. Damit einhergehend nimmt die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Hitzeperioden zu.
  • Niederschlagsverschiebung und Trockenheit
    Über das Jahr gesehen ist zukünftig mit ähnlichen bis gleichbleibenden Niederschlagssummen zu rechnen. Jedoch gibt es innerhalb der Jahreszeiten Unterschiede: Es ergeben sich trockenere Sommer und feuchtere Winter.
  • Starkregen
    In Landshut ist von häufigeren Starkregenereignissen auszugehen. Gleichzeitig nimmt die Intensität der Regenereignisse zu.
  • Sturm
    Es ist mit einer mindestens gleichbleibenden Sturmaktivität zu rechnen.

Welche Folgen hat der Klimawandel für Landshut?

Der Klimawandel bewirkt bereits heute eine zunehmende Intensität und Häufigkeit der Extremereignissen wie Hitze, Dürreperioden oder Starkregen in Landshut.

Starkniederschläge zeichnen sich durch große Niederschlagssummen in kürzester Zeit aus. Bei extremen Regenereignissen kann es zu überlasteten Kanalnetzen und an besonders betroffenen Stellen zu einem Austritt von Wasser aus dem Kanal kommen. Das abfließende Wasser sucht sich dann seinen Weg an der Oberfläche. In Hanglagen oder in stark versiegelten Bereichen der Stadt können sich die Abflüsse in lokalen Tiefpunkten sammeln und zu großflächigen Überflutungen führen. Welche Orte in der Stadt besonders durch Sturzfluten bei Starkregen gefährdet sind, wurde bereits in den letzten Jahren für die Stadt Landshut detailliert untersucht (Konzeptstudie Sturzflut-Risikomanagement). Erst jüngst konnten die Folgen eines Starkregenereignisses in Landshut beobachtet werden. Im Juni 2021 sorgte ein extremes Regenereignis für eine Überflutung großer Teile der Landshuter Altstadt.  An vielen Stellen in der Stadt kam es zu vollgelaufenen Kellern und zu Schäden an der öffentlichen Infrastruktur.

Die Zunahme von Hitze- und Trockenperioden sorgt vor allem für eine Belastung der menschlichen Gesundheit und des städtischen Grüns. Insbesondere alte, sehr junge oder kranke Menschen sind an heißen Tagen schnell Hitzestress ausgesetzt. Die Grünflächen in der Stadt trocknen schneller aus und müssen in Hitze- und Trockenperioden zusätzlich bewässert werden. Einige heimische Baumbestände sterben teilweise ab. Um sich an das sich verändernde Klima anzupassen, müssen vermehrt neue Baumarten eingesetzt werden, die besser mit den sich ändernden Bedingungen zurechtkommen.

Auch mit Blick auf das Stadtklima in Landshut werden im Rahmen des Modellvorhabens Untersuchungen durchgeführt. Die Stadt hat ein eigenes Klima, das maßgeblich durch die Bebauungsstruktur, durch die Stadtgröße und durch die Lage im Landschaftsraum bestimmt wird. Erste Analysen haben gezeigt, dass sich insbesondere in Sommernächten in Landshut eine sogenannte „Städtische Wärmeinsel“ ausbildet. Das bedeutet, dass die Temperaturen in den Innenstadtlagen im Vergleich zum weitgehend natürlichen Umland deutlich höher sind. Dieser Wärmeinseleffekt tritt typischerweise räumlich unterschiedlich auf. Dicht bebaute und stark versiegelte Bereiche, wie das Stadtzentrum, mit einem geringen Grünanteil heizen sich deutlich mehr auf als Randbereiche der Stadt. Im Vergleich zu den stark versiegelten Straßen, Plätzen oder Gewerbeflächen weisen die Grünflächen in Landshut eine deutlich geringere Wärmebelastung auf. In Zukunft geht man davon aus, dass sich diese Situation der Wärmeinsel weiter verstärken wird, sofern man keine entsprechenden Anpassungsmaßnahmen durchführt. Für die nächtliche Zufuhr von Kaltluft in das Landshuter Stadtgebiet spielen vor allem die zusammenhängenden Grünzüge und die Hanglagen in der Stadt eine große Rolle. Auch die größeren innerörtlichen Grünflächen erlauben nachts kühlende Ausgleichsströmungen in die umliegende Bebauung. Die Ergebnisse der Stadtklimatischen Analysen werden bis zum Sommer 2022 fertiggestellt und anschließend veröffentlicht werden.

Wie kann sich Landshut an den Klimawandel anpassen?

Um Landshut frühzeitig und kontinuierlich an die Auswirkungen extremer Wetterereignisse wie Starkregen, Hitze oder Dürren anzupassen, ist der natürliche Wasserkreislauf im Sinne des Schwammstadt-Prinzips möglichst wieder herzustellen.

Grafik  © MUST Städtebau GmbH
© MUST Städtebau GmbH

Ziel ist es, den Abfluss des Regenwassers in den Kanal zu reduzieren. Hierfür müssen Möglichkeiten geschaffen werden, das Regenwasser möglichst dort, wo es anfällt zu versickern, zu verdunsten oder für eine Nutzung zu speichern. Oberflächen müssen hierfür so gestaltet werden, dass sie das Regenwasser wie ein Schwamm aufsaugen und zurückhalten können. Mögliche Maßnahmen im Sinne der Schwammstadt umfassen beispielsweise die Entsiegelung von Oberflächen, den Einsatz von wasserdurchlässigen Belägen oder die Versickerung von Regenwasser in Mulden oder auf grünen Dächern.

Die erwartete Erwärmung wird durch dichte Bebauung und Versiegelung verschärft und führt zu einer Aufheizung der Oberflächen und der Erwärmung der Umgebung. Bei langen Trockenperioden kann es sogar zu einem Wasserdefizit kommen. An dieser Stelle können die oben genannten Maßnahmen auch positive Effekte für die Hitzevorsorge in Landshut erzielen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann Regenwasser verzögert in den Boden versickert oder über Verdunstung kühlend an die Umgebung abgegeben werden. Zwischengespeichertes Wasser kann zur Bewässerung des Stadtgrüns in Trockenperioden genutzt werden. Darüber hinaus kann über Maßnahmen wie zum Beispiel Sonnensegel, helle Oberflächen und Fassadenbegrünung ein zusätzlicher Beitrag zur Hitzevorsorge geleistet werden.

Die Stadt Landshut möchte das Klimaanpassungskonzept unter enger Beteiligung der Öffentlichkeit entwickeln. 

Anregungen auf Pinnwand

Nach der Auftaktveranstaltung am 18. Mai 2022 soll im Herbst 2022 eine öffentliche Veranstaltung mit dem Schwerpunkt auf die Maßnahmenentwicklung stattfinden. Weitere Informationen hierzu folgen zu gegebener Zeit. 

Darüber hinaus können Sie jederzeit gerne Fragen, Anregungen und Wünsche zum Klimaanpassungsprojekt einbringen, per E-Mail an klimaschutz@landshut.de oder per Telefon unter 0871/88-1738.

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